titelzeile der Internetseite des Traditionellen Karate des Sportforum S C Berlin in Weißensee, Lichtenberg, Hohenschönhausen
 
 

Wir über Traditionelles Karate

Was ist denn Traditionelles Karate? Die Frage, die schon öfter gestellt wurde, scheint inzwischen viele Antworten gefunden zu haben.

Viele Karateschulen behaupten heute Traditionelles Karate zu betreiben.

„Traditionell“ klingt eben einfach gut. Gerade im Zeitalter der, unter den schnellen gesellschaftlichen Entwicklungen, seltener werdenden Traditionen, kommt es uns auch besonders bedeutend vor.

So gibt es inzwischen sogar „traditionelles“ Tae-Kwon-Do und abends im Restaurant genießt man auch gern einen „traditionellen“ griechischen Salat. ;-)

„Traditionell“ liegt eben voll im Retro-Trend unserer Zeit. Doch gerade das führt zu vielen Missverständnissen.

Manchmal werden in einer gewissen Erwartungshaltung einfach zu viele eigene Vorstellungen mit eingebracht. Es geht aber nicht darum, das Karate an sich auf seine traditionelle Entstehung hin zu beurteilen oder die Idee des Traditionellen z.B. auf eine rein spirituelle Ebene zu ziehen. Diese Sichtweisen treffen nicht im Geringsten zu.

Spirituelle Aspekte des Zen oder Buddhismus, die sich auch im traditionellen Karate gelegentlich widerspiegeln, bilden nicht den Unterschied zum Sportkarate, wie es manchmal gern angenommen wird.

 

Traditionelles Karate und Wettkämpfe

Auch im traditionellen Karate gibt es Wettkämpfe. Diese aber werden weniger im Sinne eines Wetteiferns im herkömmlichen Sinne durchgeführt. Vielmehr wird diese Bewährungsprobe als ein reiner Selbsttest gesehen. Die im Wettkampf gemachten Erfahrungen, sollen uns dazu bringen, einen steten Abgleich zwischen unserer Vorstellung bei der Durchführung einer Technik und der Realität im Sinne ihrer Anwendbarkeit zu entwickeln. Oft sind wir doch im täglichen Training gezwungen, Situationen nachzuahmen und vorgegebene Abläufe stur immer und immer wieder zu wiederholen, um unsere Technik zu festigen.

Unser „Traditionelles Karate“ hat seinen Ursprung vielmehr im Lebenswerk Sensei Hidetaka Nishiyamas (1928 - 2008)

 

Wer war Hidetaka Nishiyama?

Sensei Nishiyama hatte sich zur Lebensaufgabe gemacht, die ungewollten, geschichtlich bedingten Veränderungen in der Entwicklung des modernen Karate im 20. Jahrhundert zu korrigieren und (Stil übergreifend) die Lehre über den eigentlichen Kern und Grundgedanken des Karate zu verbreiten.

Nach Nishiyamas Schilderung wurde Karate, bis zu seiner Zeit, über viele Generationen
vom Meister an seinen einzigen Schüler über einen Zeitraum von bis zu 15 oder 20 Jahren weitergegeben.
Erst nach dieser Zeit ging der Schüler eigene Wege, während sein Meister mit der Unterweisung eines weiteren Schülers begann.
So wurden die angehenden Meister über einen langen Zeitraum geprägt und deren individuellen Entwicklungen ständig auf den Prüfstand ihres Lehrers gestellt.
Gerade dieser stete Abgleich mit bereits bestehenden Erfahrungen im täglichen Training, brachte Karatemeister mit fundiertem Wissen und Können hervor. Gleichzeitig wurden dadurch äußere Einflüsse und daraus resultierende, vorschnelle Veränderungen der Basisprinzipien, und nicht gefestigte Techniken, die auf Halbwissen und mangelnder Erfahrung basieren könnten, ferngehalten.

 

Die Entstehung des heutigen Sportkarate

In den Wirren des zweiten Weltkrieges, da Japan möglichst schnell gut ausgebildete und körperlich belastbare Männer für seine Armee benötigte, veränderten sich diese Bedingungen grundlegend.

Ein Meister hatte nun hunderte von Schülern, die innerhalb von wenigen, vielleicht drei Jahren zu Meistern ausgebildet werden sollten. Dabei standen die Vermittlung von Grundkenntnissen der Karate-Technik und einer kämpferischen Einstellung, sowie ein rascher physischer Aufbau des Schülers im Mittelpunkt.

Was wie eine große Chance für den Erhalt, die Weiterführung und vor allem die Verbreitung dieser jahrhundertealten Kriegskunst anmutete, sollte sich im Laufe der Zeit, technisch gesehen, zu einem Desaster entpuppen.

Bedingt durch einen vorher nie da gewesenen Zeitdruck, wurde das langwierige und beschwerliche Training der Basistechnik dramatisch eingekürzt.
Der komplette spätere Teil der Lehre, in welchem, aufbauend auf das Training der ersten Jahre, die tiefen Stände und großen Ausholbewegungen mehr und mehr auf das im Kampf Notwendigste und zeitlich Machbare reduziert wurden, entfiel einfach.

Nach Ende des Krieges gründeten sich viele Karateschulen, die aber gerade die Lehre dieser Zeit wiedergaben und sich schließlich weltweit verbreiteten. Längst hatten asiatische Kampfkünste von sich Reden gemacht und internationales Interesse und Nachfrage stiegen zu einem wahren „Boom“ an.

Für Karate unerlässliche Aspekte und Prinzipien und das daraus resultierende Verständnis für die Grundidee dieser Kampfkunst, rückten in den Hintergrund oder gerieten gar in Vergessenheit.

Das heute weit verbreitete, aus dieser Zeit stammende Sportkarate, nennen wir auch: „Karate-Fitness“.

 

Das traditionelle Karate

Nishiyama bedauerte besonders, dass viele Fehler bei der Weitervermittlung des Karate genau in seiner Generation passierten und fühlte eine schwere Verantwortung, genau diese Fehlentwicklungen aufzuzeigen und zu korrigieren.

Genau an diesem Punkt, dem Training nach dem Erlernen der technischen Grundlagen und der Erlangung der physischen Voraussetzungen für Karate, knüpfte Sensei Nishiyama mit seinem Training an.
Das Besondere an dieser Art der Unterweisung aber war, dass Sensei Nishiyama im Training nicht nur die ausgereifte Technik erklärte und demonstrierte, sondern gleichzeitig Trainingsmethoden vermittelte, die es seinen Schülern möglich machten, die Funktions- und Wirkungsweise der Basistechnik zu trainieren, zu erforschen und auch für sich selbst zu entwickeln. Dabei standen für ihn nicht stilistische Elemente im Mittelpunkt, sondern das Training der Grundprinzipien und Körperdynamiken bei der Generierung einer Technik.

Wurden doch jahrzehntelang lediglich die äußere Form und Charakteristika der Technik einzelner Meister weitergegeben und schließlich immer schlechter kopiert.

Es war an der Zeit, einige unbedingt notwendige Berichtigungen vorzunehmen, um trotz der steten, ja gewollten Weiterentwicklung des modernen Karate, den Kern und Grundgedanken dieser Kampfkunst zu erhalten.

 

„Traditionelles Karate verbindet das ursprüngliche Okinawa-Te mit den Prinzipien des japanischen Budo und modernen sportwissenschaftlichen Erkenntnissen.“

                                                                                        Sensei W. Kwiecinski
 

 

 „Karate ist eine Kunst, die Wissenschaft zulässt.“

                                                                                         Sensei Nishiyama
 

Artikel von Holger Theusner
 
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