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| Karate > Traditionelles Karate |
Wir über Traditionelles Karate
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Was ist denn Traditionelles Karate? Die Frage, die
schon öfter gestellt wurde, scheint inzwischen viele Antworten gefunden
zu haben.
Viele Karateschulen behaupten heute Traditionelles
Karate zu betreiben.
„Traditionell“ klingt eben einfach gut. Gerade im
Zeitalter der, unter den schnellen gesellschaftlichen Entwicklungen,
seltener werdenden Traditionen, kommt es uns auch besonders bedeutend
vor.
So gibt es inzwischen sogar „traditionelles“
Tae-Kwon-Do und abends im Restaurant genießt man auch gern einen
„traditionellen“ griechischen Salat. ;-)
„Traditionell“ liegt eben voll im Retro-Trend
unserer Zeit. Doch gerade das führt zu vielen Missverständnissen.
Manchmal werden in einer gewissen
Erwartungshaltung einfach zu viele eigene Vorstellungen mit
eingebracht. Es geht aber nicht darum, das Karate an sich auf seine
traditionelle Entstehung hin zu beurteilen oder die Idee des
Traditionellen z.B. auf eine rein spirituelle Ebene zu ziehen. Diese
Sichtweisen treffen nicht im Geringsten zu.
Spirituelle Aspekte des Zen oder Buddhismus, die
sich auch im traditionellen Karate gelegentlich widerspiegeln, bilden
nicht den Unterschied zum Sportkarate, wie es manchmal gern angenommen
wird.
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Traditionelles Karate und
Wettkämpfe
Auch im traditionellen Karate gibt
es Wettkämpfe. Diese aber werden weniger im Sinne eines Wetteiferns im
herkömmlichen Sinne durchgeführt. Vielmehr wird diese Bewährungsprobe
als ein reiner Selbsttest gesehen. Die im Wettkampf gemachten
Erfahrungen, sollen uns dazu bringen, einen steten Abgleich zwischen
unserer Vorstellung bei der Durchführung einer Technik und der Realität
im Sinne ihrer Anwendbarkeit zu entwickeln. Oft sind wir doch im
täglichen Training gezwungen, Situationen nachzuahmen und vorgegebene
Abläufe stur immer und immer wieder zu wiederholen, um unsere Technik
zu festigen.
Unser „Traditionelles Karate“ hat seinen Ursprung
vielmehr im Lebenswerk Sensei Hidetaka Nishiyamas (1928 - 2008)
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Wer war Hidetaka Nishiyama?
Sensei Nishiyama hatte sich zur
Lebensaufgabe gemacht, die ungewollten, geschichtlich bedingten
Veränderungen in der Entwicklung des modernen Karate im 20. Jahrhundert
zu korrigieren und (Stil übergreifend) die Lehre über den eigentlichen
Kern und Grundgedanken des Karate zu verbreiten.
Nach Nishiyamas Schilderung wurde Karate, bis zu
seiner Zeit, über viele Generationen
vom Meister an seinen einzigen Schüler über einen Zeitraum von bis zu
15 oder 20 Jahren weitergegeben.
Erst nach dieser Zeit ging der Schüler eigene Wege, während sein
Meister mit der Unterweisung eines weiteren Schülers begann.
So wurden die angehenden Meister über einen langen Zeitraum geprägt und
deren individuellen Entwicklungen ständig auf den Prüfstand ihres
Lehrers gestellt.
Gerade dieser stete Abgleich mit bereits bestehenden Erfahrungen im
täglichen Training, brachte Karatemeister mit fundiertem Wissen und
Können hervor. Gleichzeitig wurden dadurch äußere Einflüsse und daraus
resultierende, vorschnelle Veränderungen der Basisprinzipien, und nicht
gefestigte Techniken, die auf Halbwissen und mangelnder Erfahrung
basieren könnten, ferngehalten.
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Die Entstehung des heutigen
Sportkarate
In den Wirren des zweiten Weltkrieges, da Japan
möglichst schnell gut ausgebildete und körperlich belastbare Männer für
seine Armee benötigte, veränderten sich diese Bedingungen grundlegend.
Ein Meister hatte nun hunderte von Schülern, die
innerhalb von wenigen, vielleicht drei Jahren zu Meistern ausgebildet
werden sollten. Dabei standen die Vermittlung von Grundkenntnissen der
Karate-Technik und einer kämpferischen Einstellung, sowie ein rascher
physischer Aufbau des Schülers im Mittelpunkt.
Was wie eine große Chance für den Erhalt, die
Weiterführung und vor allem die Verbreitung dieser jahrhundertealten
Kriegskunst anmutete, sollte sich im Laufe der Zeit, technisch gesehen,
zu einem Desaster entpuppen.
Bedingt durch einen vorher nie da gewesenen
Zeitdruck, wurde das langwierige und beschwerliche Training der
Basistechnik dramatisch eingekürzt.
Der komplette spätere Teil der Lehre, in welchem, aufbauend auf das
Training der ersten Jahre, die tiefen Stände und großen
Ausholbewegungen mehr und mehr auf das im Kampf Notwendigste und
zeitlich Machbare reduziert wurden, entfiel einfach.
Nach Ende des Krieges gründeten sich viele
Karateschulen, die aber gerade die Lehre dieser Zeit wiedergaben und
sich schließlich weltweit verbreiteten. Längst hatten asiatische
Kampfkünste von sich Reden gemacht und internationales Interesse und
Nachfrage stiegen zu einem wahren „Boom“ an.
Für Karate unerlässliche Aspekte und Prinzipien
und das daraus resultierende Verständnis für die Grundidee dieser
Kampfkunst, rückten in den Hintergrund oder gerieten gar in
Vergessenheit.
Das heute weit verbreitete, aus dieser Zeit
stammende Sportkarate, nennen wir auch: „Karate-Fitness“.
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Das traditionelle Karate
Nishiyama bedauerte besonders, dass viele Fehler
bei der Weitervermittlung des Karate genau in seiner Generation
passierten und fühlte eine schwere Verantwortung, genau diese
Fehlentwicklungen aufzuzeigen und zu korrigieren.
Genau an diesem Punkt, dem Training nach dem
Erlernen der technischen Grundlagen und der Erlangung der physischen
Voraussetzungen für Karate, knüpfte Sensei Nishiyama mit seinem
Training an.
Das Besondere an dieser Art der Unterweisung aber war, dass Sensei
Nishiyama im Training nicht nur die ausgereifte Technik erklärte und
demonstrierte, sondern gleichzeitig Trainingsmethoden vermittelte, die
es seinen Schülern möglich machten, die Funktions- und Wirkungsweise
der Basistechnik zu trainieren, zu erforschen und auch für sich selbst
zu entwickeln. Dabei standen für ihn nicht stilistische Elemente im
Mittelpunkt, sondern das Training der Grundprinzipien und
Körperdynamiken bei der Generierung einer Technik.
Wurden doch jahrzehntelang lediglich die äußere
Form und Charakteristika der Technik einzelner Meister weitergegeben
und schließlich immer schlechter kopiert.
Es war an der Zeit, einige unbedingt notwendige
Berichtigungen vorzunehmen, um trotz der steten, ja gewollten
Weiterentwicklung des modernen Karate, den Kern und Grundgedanken
dieser Kampfkunst zu erhalten.
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„Traditionelles Karate verbindet das ursprüngliche
Okinawa-Te mit den Prinzipien des japanischen Budo und modernen
sportwissenschaftlichen Erkenntnissen.“
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Sensei W. Kwiecinski |
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„Karate ist eine Kunst, die Wissenschaft
zulässt.“
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Sensei Nishiyama |
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| Artikel von Holger Theusner
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